Kapitel 2 – Zwischen zwei Herzschl?gen
Der Verkehr setzte wieder ein.
Ein Hupen. Schritte. Stimmen.
Doch für Phirun klang alles ged?mpft, als stünde er unter Wasser. Der Fremde – Kawin – hatte sich nicht bewegt. Nur seine Schultern hoben und senkten sich langsam, kontrolliert, als würde er gegen etwas Unsichtbares ank?mpfen.
?Was meinen Sie damit?“ fragte Phirun schlie?lich.
Kawin sah sich kurz um, als würde er prüfen, ob jemand zuh?rt. Dann blickte er wieder zu ihm.
Diese dunklen Augen waren kein Zufall.
Sie musterten ihn nicht neugierig – sondern wissend.
?Das hier“, sagte Kawin leise, ?ist ein Fehler.“
Mit diesen Worten drehte er sich abrupt um.
Phirun wusste nicht, warum er es tat. Vielleicht war es der Druck in seiner Brust. Vielleicht das seltsame Gefühl, das ihn seit diesem Moment begleitete.
Vielleicht einfach die Tatsache, dass er zum ersten Mal das Gefühl hatte, jemand würde ihn wirklich sehen.
Er lief ihm hinterher.
?Warten Sie!“
Kawin beschleunigte seine Schritte und bewegte sich geschickt durch die Menschenmenge. Phirun musste beinahe rennen, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren.
Der Abstand zwischen ihnen blieb gleich.
Immer gleich.
Bis Kawin pl?tzlich in eine schmale Seitenstra?e einbog.
Phirun folgte – und blieb abrupt stehen.
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Die Ger?usche der Stadt verschwanden.
Nicht ged?mpft.
Nicht leiser.
Einfach weg.
Die Luft fühlte sich pl?tzlich schwer an, elektrisch.
Kawin stand am Ende der Gasse, den Rücken zu ihm gewandt.
?Du solltest jetzt umdrehen“, sagte er ruhig.
Du.
Nicht mehr Sie.
Phirun schluckte.
?Ich glaube nicht, dass ich das kann.“
Langsam drehte Kawin sich um.
Sein Blick war scharf, beinahe schmerzhaft intensiv.
?Seit wann spürst du es?“
?Spüren?“
?Den Riss.“
Das Wort hallte in Phiruns Kopf nach.
?Ich wei? nicht, wovon du redest.“
Kawin musterte ihn lange.
Dann hob er langsam die Hand.
Die Luft zwischen ihnen begann zu flimmern.
Phirun keuchte auf, als der Druck in seiner Brust pl?tzlich st?rker wurde – nicht nur Schmerz. Es fühlte sich an, als würde etwas in ihm antworten.
Als würde etwas aufwachen.
Ein leises Knacken durchbrach die Stille.
Hinter Kawin zog sich pl?tzlich ein feiner, leuchtender Spalt durch die Backsteinwand der Gasse.
Wie ein Blitz, eingefroren in der Zeit.
Wei?goldenes Licht pulsierte darin.
Phiruns Atem stockte.
?Das…“
Seine Stimme versagte.
?…ist deinetwegen offen“, sagte Kawin ruhig.
?Das ist unm?glich.“
?Ist es nicht.“
Der Riss wuchs langsam weiter.
Aus ihm drang kein normales Licht.
Es war eher eine Pr?senz.
Etwas, das nicht hierhergeh?rte.
Phiruns Herz begann im gleichen Rhythmus zu schlagen wie das Pulsieren des Risses.
Kawin fluchte leise.
?Ich habe Jahre gebraucht, um dich nicht zu finden.“
Phirun starrte ihn an.
?Mich nicht finden?“
Kawin trat langsam n?her.
Mit jedem Schritt wurde die Luft schwerer.
?Es gibt Menschen“, begann er ruhig, ?die als Anker geboren werden.“
Phiruns Kopf rauschte.
?Anker… wofür?“
Kawin blieb nur noch wenige Schritte vor ihm stehen.
?Für überg?nge.“
Wieder flimmerte die Luft.
Der Riss pulsierte st?rker.
?Du h?ltst etwas hier“, sagte Kawin leise. ?Etwas, das nicht in diese Welt geh?rt.“
Phirun wich unwillkürlich zurück.
Doch gleichzeitig spürte er etwas anderes.
Nicht nur Angst.
Eine Verbindung.
Als h?tte sich ein unsichtbarer Faden um sein Herz gelegt – und das andere Ende lag bei Kawin.
?Warum fühlt es sich so an, als würde ich dich kennen?“ flüsterte Phirun.
Zum ersten Mal brach Kawins kontrollierte Fassade.
Ein kaum sichtbares Z?gern.
?Weil wir uns schon einmal begegnet sind.“
Der Riss zuckte pl?tzlich auf, ein glei?ender Spalt aus Licht und Schatten.
Ein kalter Windsto? schoss durch die Gasse.
Und aus dem Licht trat ein Schatten.
Nicht ganz menschlich.
Nicht ganz etwas anderes.
Phiruns Brust brannte.
Kawin reagierte sofort. Er packte Phirun am Handgelenk und zog ihn zu sich.
?Jetzt wei? ich es“, sagte er rau.
?Was?“ keuchte Phirun.
Kawins Blick war entschlossen.
?Du bist nicht nur ein Anker.“
Der Schatten machte einen Schritt in ihre Welt.
?Du bist das Tor.“

